{"id":2272,"date":"2015-07-11T14:37:47","date_gmt":"2015-07-11T14:37:47","guid":{"rendered":"http:\/\/berightback.de\/?p=2272"},"modified":"2015-07-11T14:37:47","modified_gmt":"2015-07-11T14:37:47","slug":"raid-golfe-du-morbihan-die-ersten-35km","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/berightback.de\/?p=2272","title":{"rendered":"Raid Golfe du Morbihan &#8211; Die ersten 35km"},"content":{"rendered":"<p>Seit Tagen gr\u00fcbel ich nun schon dar\u00fcber was ich eigentlich hier alles schreiben soll, denn ich denke dass die Meisten die dies hier lesen keine Lust auf seitenweise Text haben. Ich muss aber alleine schon aufgrund der langen Zeit, die ich unterwegs war, mehrere Posts hieraus machen.<br \/>\nAu\u00dfnahmsweise war ich am Morgen vom Lauf nicht so nerv\u00f6s wie ich es von fr\u00fcher kenne. Um 9:20Uhr sollte der Bus in Richtung des Hafens von Crouesty abfahren. Knapp 2h vorm Start des Laufs kam ich hier an und hatte zeit die verbliebene Nervosit\u00e4t mit ein wenig d\u00f6sen auf dem Asphalt zu vertreiben. Immer mal wieder wurde ich auf meine Schuhe angesprochen, auf meine Reaktion &#8220;Sorry I don&#8217;t speak any french&#8221; wurde mit Schulterzucken und einem L\u00e4cheln reagiert. Die Vorurteile stimmen schon, Franzosen haben kaum Interesse Fremdsprachen zu lernen.<\/p>\n<p>An der Trib\u00fcne am Start waren zwei Soldaten mit ihren Dudels\u00e4cken und haben Musik gemacht. Das war nicht wirklich etwas das ich erwartet hatte. 5 Minuten vor dem Startschuss versuchte ich meine Laufapp zu starten, die weigerte sich aber standhaft da sie keine Internetverbindung besa\u00df. Mir blieb nichts anderes \u00fcbrig als blind und ohne Unterst\u00fctzung zu laufen. Die Versuche es doch noch zum laufen zu bringen zogen sich bis zum Start hin, also musste ich beim Start in meinem Rucksack rumfummeln. Wenige Meter nach dem danach wurde hinter mir gerufen und jemand rannte mit meinem Ausweis an mir vorbei, danach wurde ich extrem vorsichtig wie ich meinen Rucksack \u00f6ffnete.<\/p>\n<p>Gleich zu Anfang gab es eine Engstelle, an der die Leute nur noch einzeln weiter kamen, ein gr\u00f6\u00dferer Stau war das Ergebnis. Hiernach ging es auf den Wanderwege direkt am Ufer entlang. Es gab Treppen, die immer wieder runter zum Strand und danach wieder zur\u00fcck auf die Wanderwege f\u00fchrten. Im Gegensatz zu meinen bisherigen L\u00e4ufen waren die Wege hier sehr eng, hintereinander laufen war standard. Ich habe f\u00fcr mich einen neuen Begriff gefunden &#8220;Taktisches Gehen&#8221;. Immer wenn eine Strandstrecke, eine Steigung, eine Treppe oder ein kurzer Weg zwischen zwei Treppen kam lief eigentlich niemand mehr. Es galt Energie einzusparen und zu gehen wo man unn\u00f6tig energie verbrennen w\u00fcrde.<br \/>\nAuf den engen Wegen war nichts mit \u00fcberholen, hier gibt der Langsamste die Geschwindigkeit vor. Viele der Wege waren ein Traum. Entweder lief ich zwischen lauter gr\u00fcnen oder bl\u00fchenden B\u00fcschen vorbei oder der Weg war durch einen l\u00e4ngeren Busch als ein art Tunnel geschnitten. As war sehr warm, irgendwas um 30\u00b0C und ich musste viel trinken. An einer Stelle rannte ich ein einem Kornfeld vorbei, das zu einem Drittel mit Blumen zwischen dem Korn bedeckt war.<br \/>\nDadurch dass mein GPS tot war und ich eher zuf\u00e4llig auf mein Handy geschaut habe wusste ich nicht wie weit ich gekommen war und wie regelm\u00e4\u00dfig ich meiner Energiegels geschluckt habe. Ziemlich \u00fcberraschend kam ich hinter einer Kurve an die erste Verpflegungsstelle.<\/p>\n<p>Ultramarathon Verpflegungsstellen sind anders als die beim Marathon, hier wird nichts im Vorbeilaufen gemacht. Die L\u00e4ufer bleiben stehen, essen was, unterhalten sich mit den Helfern und f\u00fcllen ihre Flaschen auf. Als ich meinen Rucksack aufgef\u00fcllt habe habe ich damit einige L\u00e4ufer genervt, denn es dauert recht lange 2 Liter aus einem gro\u00dfen Kanister in meinen Rucksack laufen zu lassen. Ich wollte nicht das Risiko eingehen dass mir bis zur n\u00e4chsten Verpflegungsstelle das Wasser ausgeht, also musste der Camelbak voll sein.<\/p>\n<p>Von hier aus ging es ungef\u00e4hr 5km durch ein Wohngebiet. Mein F\u00fc\u00dfe freuten sich dass es erstmal nicht \u00fcber Stock und Stein ging. Richtig fies sind die Stellen an denen man die anderen L\u00e4ufer sehen kann und wei\u00df &#8220;Hier komme ich erst sp\u00e4ter wieder vorbei&#8221;. Diese kleine Vorstadt, durch die mich der Weg f\u00fchrte, war echt s\u00fc\u00dfe. \u00dcberall gab es jubelnde Franzosen die uns anfeuerten.<\/p>\n<p>Wenige km vor dem n\u00e4chsten Verpflegungspunkt lernte ich Hermann kennen, einen sehr netten Franzose, der deutsch spracht. Der franz\u00f6sische Akzent macht mir dabei allerdings ein wenig zu schaffen. Nach ein paar Minuten hatte ich mich aber dran gew\u00f6hnt. Erfragt mich sehr viel \u00fcber das Laufen in meinen Schuhen aus und erz\u00e4hlt mir im Gegenzug etwas \u00fcber sich. Insgesamt wirkt er aber skeptisch dass ich es mit den Schuhen ins Ziel schaffen w\u00fcrde. An der Verpflegungsstelle l\u00e4uft ein Teenager ein paar Meter mit uns, Hermanns Cousine. In der Sporthalle, in der die Verpflegungsstelle untergebracht war, verloren wir uns aus den Augen. Ich hatte ungef\u00e4hr km 30 erreicht. Zum Essen gab es Nudeln und ein bischen Camembert. Das Fett im K\u00e4se sorgt daf\u00fcr dass der Magen glaubt er sei voller als er ist, so kann man die Zuckergels l\u00e4nger ertragen.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite der Sporthalle stolperte ich wieder ins Freie. Die Pause hatte meinen Muskeln gut getan aber meine Beine waren dadurch nicht mehr so geschmeidig. Zwei Helfer hielten f\u00fcr mich den Verkehr auf und wenige Meter nach der Stra\u00dfe stolperte ich wieder ins Naturschutzgebiet. Immer wenn der Weg hinter einem Parkplatz wieder losging musste ich ein wenig an den Fahrradbarrieren vorbeibalancieren. Die meisten Wege in diesem Naturschutzgebiet waren Holzstege. Eine kleine Franz\u00f6sin kam an mir vorbei und fragt mich wie es meinen F\u00fc\u00dfen ging. Ich hatte mich schon kurz nach dem Start mit ihr unterhalten.<\/p>\n<p>Per SMS teilte mir Juli mit dass sie in der N\u00e4he unseres Hotels in einem Ort Namens Lasn\u00e9 auf mich wartete. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich aber noch kein Ortsschild gesehen und bei welchem km ich genau war konnte ich aufgrund der nicht funktionierenden Laufapp auch nicht sagen. Einige km sp\u00e4ter sah ich aber das erste Ortsschild das mir sagte ich sei kurz vor Lasn\u00e9. Es hie\u00df also Augen aufmachen.<\/p>\n<p>An einer gro\u00dfen Stra\u00dfe warteten zwei Jungs mit einem Eimer Wasser und boten jedem L\u00e4ufer an sich ein wenig zu erfrischen. Es war wohl offensichtlich dass ich kein Franzose bin denn ich wurde gefragt ob ich Englisch spreche und bekam anschliessend ein &#8220;Wish you a good run mate&#8221; hinterhergerufen.<\/p>\n<p>Bald war ich wieder direkt am Wasser und rannte an irgendwelchen befestigten Deichen entlang die den Strand von einer Sumpflandschaft zu trennen schienen. Hier wartete Juli auf mich. Ein wenig geschafft freue ich mich \u00fcber den Besuch meiner Freundin und ging ein St\u00fcck mit ihr spazieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Tagen gr\u00fcbel ich nun schon dar\u00fcber was ich eigentlich hier alles schreiben soll, denn ich denke dass die Meisten die dies hier lesen keine Lust auf seitenweise Text haben. Ich muss aber alleine schon aufgrund der langen Zeit, die ich unterwegs war, mehrere Posts hieraus machen. Au\u00dfnahmsweise war ich am Morgen vom Lauf nicht so nerv\u00f6s wie ich es von fr\u00fcher kenne. Um 9:20Uhr sollte der Bus in Richtung des Hafens von Crouesty abfahren. Knapp 2h vorm Start des Laufs kam ich hier an und hatte zeit die verbliebene Nervosit\u00e4t mit ein wenig d\u00f6sen auf dem Asphalt zu vertreiben. 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