{"id":3620,"date":"2018-03-31T09:47:57","date_gmt":"2018-03-31T09:47:57","guid":{"rendered":"http:\/\/berightback.de\/?p=3620"},"modified":"2018-03-31T09:47:57","modified_gmt":"2018-03-31T09:47:57","slug":"trail-de-la-vesubie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/berightback.de\/?p=3620","title":{"rendered":"Trail de la Vesubie"},"content":{"rendered":"<p>Ich stehe vor dem Problem mich zu entscheiden, will ich abends um 5 fahren und die Nacht in einem Schlafsaal verbringen oder morgens um 2 losfahren und das Risiko eingehen dass es Falschinformationen sind?<\/p>\n<p>V\u00f6llig nerv\u00f6s habe ich nachts eine Weile am Abholpunkt gesessen, alleine. Irgendwann sah ich einen Bus um die Ecke stehen. Wir waren zu viert auf der Fahrt nach Vesubie.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"3631\" data-permalink=\"https:\/\/berightback.de\/?attachment_id=3631\" data-orig-file=\"https:\/\/berightback.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/IMG_20170825_122942.jpg\" data-orig-size=\"1200,1600\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;Picasa&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Nexus 6&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1503664183&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;3.82&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;40&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.001242&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"IMG_20170825_122942\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/berightback.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/IMG_20170825_122942-900x1200.jpg\" class=\"alignnone wp-image-3631\" src=\"http:\/\/berightback.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/IMG_20170825_122942.jpg\" alt=\"\" width=\"546\" height=\"728\" srcset=\"https:\/\/berightback.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/IMG_20170825_122942.jpg 1200w, https:\/\/berightback.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/IMG_20170825_122942-300x400.jpg 300w, https:\/\/berightback.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/IMG_20170825_122942-450x600.jpg 450w, https:\/\/berightback.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/IMG_20170825_122942-768x1024.jpg 768w, https:\/\/berightback.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/IMG_20170825_122942-900x1200.jpg 900w, https:\/\/berightback.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/IMG_20170825_122942-924x1232.jpg 924w, https:\/\/berightback.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/IMG_20170825_122942-50x67.jpg 50w\" sizes=\"auto, (max-width: 546px) 100vw, 546px\" \/><\/p>\n<p>Wieder einmal als der einzige Deutsche stand ich mit 130 Startern um 5 Uhr morgens am Start und lief los. Alle L\u00e4ufer laufen in einem Pulk die Stra\u00dfen um das Dorf herum, bis wir alle den Berg hoch steigen. Es dauert bis die Sonne auf geht, bis dahin sind die Stirnlampen wichtig. Ich halte mich an die Fersen einer h\u00fcbschen Dame.<\/p>\n<p>Nach 3h im Wald erreiche ich die erste Verpflegungsstelle. Suppe, K\u00e4se, Cracker und Wasser f\u00fcr meine Flaschen sind willkommen. Raus aus der Gruppe bin ich wieder alleine unterwegs, erst kurz bergab und dann lange bergauf. Die Hitze f\u00e4llt auf mich nieder und jedes bisschen Wasser in meinem Rucksack hilft mir weiter zu kommen.<\/p>\n<p>Der weg ist verr\u00fcckt. Es geht enge, steinige Wanderwege hinauf. Viel Schatten gibt es nicht. Eincremen ist Pflicht. Bereits vormittags erreichen wir die 30\u00b0C.<br \/>\nErst auf den Gipfel, dann wieder bergab. Ein St\u00fcck runter liegt ein gro\u00dfes, rundes, aufgeblasenes Zelt das ich f\u00fcr eine Verpflegungsstation halte. Ich habe Durst und meine F\u00fc\u00dfe nerven. Ich stolper weiter den Hang herunter, einige hundert Meter vor mir der n\u00e4chste L\u00e4ufer. An einer Bergh\u00fctte l\u00e4uft Wasser aus einem Schlauch in einen Trog. Das Wasser sieht nicht vertrauenserregend aus und der Freiwillige der dort aufpasst kann uns nichts \u00fcber die Trinkbarkeit sagen. Ich\u00a0 f\u00fclle zwei Softflasks auf.<br \/>\nEs geht den steilen Berg auf einem Schotterweg runter. Um eine Kurve herum liegt eine Verpflegungsstelle an der ich erstmal was esse und trinke. Ich gie\u00dfe meine Flaschen aus, wasche sie und gebe sie zum Bef\u00fcllen weiter. Ich brauche ein bisschen um die Motivation aufzubringen weiter zu laufen. Ich habe mit 36km und 8 Stunden ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte geschafft. Meine F\u00fc\u00dfe sind nicht im besten Zustand, die Strecke ist nicht barefootfreundlich.<\/p>\n<p>Ausserhalb des Camps geht es einen schmalen Trampelpfad und dann eine Ger\u00f6llstecke hoch. Ungef\u00e4hr 2km sp\u00e4ter fange ich an mich zu \u00fcbergeben. In den Flaschen habe ich jetzt Iso-Getr\u00e4nke, die ich offenbar nicht verkrafte. Kaum habe ich mich \u00fcbergeben muss ich w\u00fcrgen wenn ich nur an meinen Flaschen rieche. Die Landschaft ist wundersch\u00f6n, doch die Mischung aus \u00dcberhitzung und W\u00fcrgereiz verhindert den Genuss. Nach einer kleinen Hochebene komme ich an zwei kleinen Teichen vorbei, wo zwei Helfer L\u00e4ufer notieren und Chips kontrollieren.<br \/>\nAlle paar km versuche ich es mit einem Schluck von dem Wasser, wenn ich es nicht bei 2 oder 3 kleinen Schlucken belasse muss ich mich \u00fcbergeben. An einem Ger\u00f6llhang kommt nochmal ein Schub hoch. Oben auf dem Gipfel ist die Aussicht einfach unglaublich (siehe Foto).<\/p>\n<p>Meine F\u00fc\u00dfe bekommen ein paare gr\u00f6\u00dferer Blasen.<br \/>\nStunden sp\u00e4ter komme ich unten an und erreiche eine weitere Verpflegungsstelle. Hier ist ein kleiner Ort. Es gibt immer mal wieder jubelnde Einhemische. Ich versuche es mit einem Bisschen Cola. K\u00e4se, Cracker und Suppe f\u00fcllen ein klein wenig an Fl\u00fcssigkeit und Energie nach, die ich dringend n\u00f6tig habe. Ich muss aber erw\u00e4hnen dass es echt nicht viel ist, das ich rein kriege.<br \/>\nIch setze mich hin und ziehe die Socken aus. Sie haben schon kleine L\u00f6cher, sind feucht und schmierig. Ich muss die Reste der Blasen entfernen. Mir ist kaum noch Hornhaut geblieben. Zum Gl\u00fcck habe ich Creme eingesteckt und reibe damit meine F\u00fc\u00dfe ein. Einer der Helfer h\u00e4lt mich auf und fragt ob ich Hilfe brauche, was ich verneine. Anschliessend fragt er mich ob ich ihm meine Jacke und meine Lampe zeigen kann. Ich habe nur \u00c4rmel und meine Stirnlampe, sie reichen. Ich darf weiter laufen.<\/p>\n<p>Der Wald, der um mich herum liegt, ist sehr sch\u00f6n. Die Hitze weicht langsam. Ich laufe in einer kleinen Gruppe von Franzosen mit. Zwei Frauen und drei M\u00e4nner sind genauso schnell wie ich. Eine der Frauen ist die selbe hinter der ich am Start gelaufen bin. Zum Sonnenuntergang schaffe ich es aus dem Wald heraus, auf der Wiese sitzen noch weiter L\u00e4ufer und machen Pause. Ich versuche es nochmal mit trinken und muss mich kr\u00e4ftig \u00fcbergeben. Es geht mir dreckig.<br \/>\nEiner der Franzosen fragt mich ob es mir gut geht. Ich antworte dass ich mich nicht gut f\u00fchle. Er w\u00fcnscht mir viel Gl\u00fcck, dreht sich um und l\u00e4uft weiter.<br \/>\nDer Gedanke &#8220;Ich will hier nicht alleine bleiben&#8221; bekommt etwas meditatives. Der Sonnenuntergang hinter der Bergkette ist berauschend.<br \/>\nAm Hang gibt es nochmal eine Kontrolle meiner Nummer. Einer der Helfer sieht meine Schuhe und fragt mich wie es sich in ihnen laufen l\u00e4sst. Ich antworte ehrlich dass es normalerweise gro\u00dfartig ist, hier ist es aber nicht angebracht.<\/p>\n<p>Die Streckenf\u00fchrung muss irgendwann mal als Witz gestartet haben. Die L\u00e4ufer sind noch immer direkt vor mir. Erst geht es einen Wanderweg entlang und dann pl\u00f6tzlich auf einer Wiese direkt den Berg hoch. Oben auf dem Kamm wandern wir der n\u00e4chsten Kontrolle entgegen. Ich lege mich auf eine Betonplatte und versuche Luft zu schnappen. So furchtbar habe ich mich noch nie gef\u00fchlt. Der Magen h\u00e4ngt irgendwo wo er nicht hin geh\u00f6rt, die Beine sind jenseits des Begriffes Ersch\u00f6pfung, die F\u00fc\u00dfe brennen und mein Kreislauf hat einen Tag \u00fcber 30\u00b0C und zu wenig Wasser hinter sich. Ich will aber nicht aufgeben also geht es noch steiler bergab als es zuvor bergauf ging.<\/p>\n<p>Unten am Hang sitzen zwei Helfer, h\u00f6ren Reggae und begr\u00fc\u00dfen die L\u00e4ufer. Ich setze mich und frage ob sie einen Schluck Cola \u00fcbrig haben. Die zwei sind sehr nett und ich bin unglaublich dankbar \u00fcber die Hilfe und Gesellschaft. Es hilft aber nichts, ich muss weiter. Meine Uhr hat l\u00e4ngst den Geist aufgegeben, Akku alle. Es ist stockdunkel. Zum ersten Mal seit einer Ewigkeit laufe ich einen echten Weg entlang.<\/p>\n<p>Von hinten n\u00e4hert sich mir ein L\u00e4ufer. Matthieu wurde von den Jungs drum gebeten auf mich aufzupassen, was er auch macht. Ich unterhalte mich mit ihm und jammer ihm dabei die Ohren voll. Die anderen L\u00e4ufer sind weit vor uns. Am Rand von Vesubie holen wir sie langsam wieder ein. Matthieu hat ungef\u00e4hr die selbe hohe Meinung von den Herrschaften wie ich, er will sie seinen Staub essen lassen. Ich bin nur zu gerne mit dabei. Nach einem langen Tag auf den Beinen bin ich noch zu einigen Sprints in der Lage. Wir rennen an einem nach den anderen vorbei. Meine F\u00fc\u00dfe habe ich schon lange aufgeh\u00f6rt zu beachten<\/p>\n<p>Nach 18 1\/2h laufen wir ins Ziel ein und kommen damit noch vor Mitternacht an. Es ist nicht viel los also kriegen wir beide eine Massage, doch bevor meine Beine massiert werden nimmt mich die Fu\u00dfpflegerin dran. Ich bekomme einen verbalen Einlauf von ihr. Ich h\u00e4tte die Hornhaut abschleifen lassen sollen. Sie hatte schon von einem Verr\u00fcckten in Barfu\u00dfschuhen, mit geplatzter Hornhaut an einer der Verpflegungsstellen geh\u00f6rt, aber was sie sieht wundert auch sie. Ich bekomme eine ausgiebige Behandlung. Die Masseuse ist ganz s\u00fc\u00df und flirtet auch ein wenig mit mir. Die Aufmerksamkeit tut gut.<br \/>\nMathieu und ich steigen in den Bus und reden ein wenig. Ich hoffe dass mein Magen auf der Fahrt durchh\u00e4lt, was er zum Gl\u00fcck auch tut. Mit den offenen und verbundenen Fu\u00dfsohlen ist aber schwimmen die n\u00e4chsten Tage nicht drin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich stehe vor dem Problem mich zu entscheiden, will ich abends um 5 fahren und die Nacht in einem Schlafsaal verbringen oder morgens um 2 losfahren und das Risiko eingehen dass es Falschinformationen sind? V\u00f6llig nerv\u00f6s habe ich nachts eine Weile am Abholpunkt gesessen, alleine. Irgendwann sah ich einen Bus um die Ecke stehen. Wir waren zu viert auf der Fahrt nach Vesubie. Wieder einmal als der einzige Deutsche stand ich mit 130 Startern um 5 Uhr morgens am Start und lief los. Alle L\u00e4ufer laufen in einem Pulk die Stra\u00dfen um das Dorf herum, bis wir alle den Berg hoch steigen. 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