{"id":6824,"date":"2022-02-03T08:37:18","date_gmt":"2022-02-03T08:37:18","guid":{"rendered":"https:\/\/berightback.de\/?p=6824"},"modified":"2022-02-03T08:38:37","modified_gmt":"2022-02-03T08:38:37","slug":"suedtirol-skyrace-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/berightback.de\/?p=6824","title":{"rendered":"S\u00fcdtirol Skyrace 2021"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch Monate vor Annecy f\u00fchle ich mich unsicher ob das Training in die richtige Richtung geht. Habe ich genug H\u00f6henmeter einflie\u00dfen lassen? Passt die Nahrungszufuhr? Der Lauf auf den F\u00e4r\u00f6er Inseln f\u00e4llt Mal wieder aus und ich habe kein Zwischenziel.&nbsp;<br>\u201cFindet nicht der Lauf in Bozen zu dem Zeitpunkt statt?\u201d<br>Mit Marias Hilfe plane ich noch einen Lauf ein, der sich eh schon auf meiner Wunschliste befunden hat, das Skyrace in S\u00fcdtirol. Die Anmeldung ist nicht ganz einfach und auch die Nachfrage nach meinem Impfzertifikat l\u00e4sst mich kurz etwas gr\u00fcbeln, will ich wirklich meine Daten an jemanden schicken, den ich nicht kenne? Am Ende bleibt mir keine andere M\u00f6glichkeit, ich schicke meine Daten und hoffe dass alles klappt.<br>Ende August klingelt dann der Wecker und scheucht uns zu einer unchristlichen Zeit aus dem Bett. Jumpy schl\u00e4ft noch schnarchend am Fu\u00dfe der Treppe und schaut uns v\u00f6llig irritiert an als wir runter stapfen. \u2018Was wollt Ihr denn so fr\u00fch hier unten\u2019 scheinen seine Augen zu sagen.<br>Die enge Laufhose und mein Merinoshirt sind die heutige Uniform. Rucksack, Schuhe, Trekking St\u00f6cke und Verpflegung stecken in meinem Rucksack. Wechselkleidung und andere Schuhe wir Maria mir mit zum Ziel bringen. Ein paar Brote und ein bisschen was an Fl\u00fcssigkeit sind das heutige Fr\u00fchst\u00fcck und mit einer Banane in der Hand fahren wir in Richtung Bozen.&nbsp;<br>Unterwegs stellen wir fest dass die Wegbeschreibung nicht ganz klar sind und der angegebene Parkplatz einiges an Fu\u00dfweg zum Start offen l\u00e4sst. Ein St\u00fcck zur\u00fcck parken wir dort wo ein \u00d6sterreicher vorher seinen Platz gefunden hat und machen uns dann auf den Weg zum Start. Viel ist nicht los, obwohl der 120 km Lauf abgesagt wurde sind wohl kaum L\u00e4ufer auf die 45 km Strecke gewechselt. Jeder tr\u00e4gt brav Maske, ich komme nicht Mal ohne Greenpass-Kontrolle an meine Laufunterlagen. W\u00e4hrend ich versuche die Nummer an meinem Gurt anzubringen filmt der Fotograf ausgiebig meine H\u00e4nde. Es herrscht trotz der fr\u00fchen Stunden ein bisschen Bewegung. Zum ersten Mal seit langem f\u00fchle ich wieder die Vorfreude eines anstehenden Events in der Luft. Manche Dinge vermisst man erst so richtig wenn man sie wieder zur\u00fcck bekommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurz vorm Start stehen wir alle hinter der Absperrung. Es wummert der Bass durch die Luft, alle zupfen nochmal ihre Sachen zusammen, es wird gesprungen und noch ein bisschen gedehnt. Ich habe G\u00e4nsehaut. Als der Anheizer die Zahlen von 10 bis 0 ins Mikrofon br\u00fcllt bin ich stocksteif, nur ein Grinsen kriecht \u00fcber mein Gesicht.<br>Es knallt und wir laufen alle los. Im Vorbeilaufen gebe ich Maria noch einen Kuss und reihe mich dann ein. Noch ein paar H\u00e4userecken und schon geht es im Zickzack den Pfad hinauf. Es kommt kein wirklicher Rhythmus auf, ich muss immer wieder gro\u00dfe Findlinge umrunden, die in den Weg eingebaut sind. Hier wird sich noch regelm\u00e4\u00dfig \u00fcberholt, es liegt viel Energie in der Luft. Erst sp\u00e4ter als wir es in den Wald geschafft haben hat sich das Feld genug zerteilt und es kommt ein richtiges Ultrarunning Gef\u00fchl auf.<br>Eine blonde Frau und ich \u00fcberholen uns ein paar Mal gegenseitig, bis sie sich hinter mir festsetzt und meine Geschwindigkeit h\u00e4lt. Frauen zeigen einfach immer ein bisschen mehr Intelligenz als M\u00e4nner, das gilt auch im Sport.<br>Die erste Stunde geht die Strecke gef\u00fchlt gerade weg von Bozen, bis wir \u00fcber richtige Waldwege laufen. Endlich gibt es wieder ein paar gerade Strecken, auf denen ich richtiges Laufen sp\u00fcren kann. Die Beine fliegen und der Wind verwandelt den Schwei\u00df auf der Haut in ein bisschen Abk\u00fchlung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oberbozen taucht pl\u00f6tzlich zwischen den B\u00e4umen auf. An einer kleinen Verpflegungsstelle f\u00fclle ich schnell meine Flaschen wieder auf, schnappe mir ein paar Loacker und laufe schnell weiter. Die Blondine hat die Gelegenheit genutzt und mich \u00fcberholt.<br>\u201cWillst Du etwa ohne mich abhauen,\u201d rufe ich ihr entt\u00e4uscht hinter mir her.<br>\u201cIch war mir ziemlich sicher dass Du mich wieder einholst.\u201d antwortet sie platt.<br>\u201cIch bin Chris,\u201d biete ich ihr an.<br>\u201cIch bin Karin,\u201d stellt sie sich mir vor.<br>Wir plaudern ein bisschen w\u00e4hrend wir durch den Ort laufen. Kurz nachdem wir \u00fcber die schmalen Bahnschienen sind endet auch der Ort. Kurz bevor es zur\u00fcck in den Wald geht kommen wir noch an einer Llama Farm vorbei. Familien mit Kinder genie\u00dfen die Ruhe der Gegend und scheinen mit den Llamas zu spielen<br>Auch im Wald brennt die Sonne erbarmungslos auf uns hinunter. Die Geschwindigkeit reicht nicht mehr aus um den Schwei\u00df magisch in Abk\u00fchlung zu verwandeln. Wir sind schon eine Weile unterwegs aber noch tritt keine Ersch\u00f6pfung ein.&nbsp;<br>Karin und ich teilen unsere Lauferfahrungen w\u00e4hrend wir unter einem Skilift durchlaufen. Die Wiese hat sich durch die letzten Regenschauer in eine morastige Falle verwandelt und man muss aufpassen dass man nicht bis zum Kn\u00f6chel einsackt.<br>\u201cBei meinem letzten Rennen bin ich Bergab so gest\u00fcrzt dass ich aussah als wenn ich mit einem B\u00e4r gek\u00e4mpft h\u00e4tte.\u201d erz\u00e4hlt sie.<br>\u201cHat Dich das beeintr\u00e4chtigt?\u201d frage ich.<br>\u201cEs hat wohl schlimmer ausgesehen als es sich angef\u00fchlt hat. Ich habe den Lauf sauber zu ende gebracht, ich wurde halt mehrfach darauf angesprochen.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Ritten kommt in Sicht als wir an ein paar Wanderern vorbei marschieren.<br>\u201cIch freue mich aufs Bergablaufen, das ganze aufw\u00e4rts nervt etwas.\u201d sagt ein junger Typ hinter mir.<br>\u201cSei vorsichtig, das killt Deine Oberschenkel schneller als Dir lieb ist.\u201d versuche ich ihn zu warnen.<br>\u201cAch das wird bestimmt schon. Ich mag einfach wieder richtig laufen.\u201d wischt er mich beiseite.<br>Mit der Funkantenne in Sicht schicke ich Maria einen kurzen Standort. Ihre Antwort kommt rasch:<br>\u201cDu bist schon am Ritten? :o\u201d<br>Langsam k\u00e4mpfen wir uns den Fu\u00dfweg zur Bergstation hoch. Hier l\u00e4uft nur die Elite. Karin und ich tauschen uns um unsere Berufe aus und stellen fest dass wir gar nicht weit voneinander entfernt liegen.<br>An der Verpflegungsstation f\u00fcllt Karin ihre Flaschen auf und ruft mir zu:<br>\u201cDu holst mich dann gleich ein, oder?\u201d<br>\u201cLogisch!\u201d antworte ich und beeile mich.&nbsp;<br>So logisch ist das nicht. Wie eine Bergziege sehe ich sie vor mir bergab h\u00fcpfen und muss ihre Geschwindigkeit auch noch \u00fcbertreffen um irgendwie aufschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Ohne das passende Training springe ich \u00fcber den einen oder anderen Stein und schaffe es kurz nachdem wir den Bergab Teil beenden konnten wieder neben ihr her zu trotten.&nbsp;<br>Die W\u00e4lder haben wir endg\u00fcltig hinter uns gelassen. Nur noch Kuhweiden und H\u00fctten durchbrechen die Eint\u00f6nigkeit. Einmal kurz kommen noch ein paar niedrige B\u00fcsche als wir zur Sarner Scharte hoch gehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201cIch finde immer schade dass es f\u00fcr M\u00e4nner nur Schwarz oder Blau als Farbe f\u00fcr Klamotten gibt,\u201d beginne ich eine Diskussion.<br>Karin zeigt auf meine gr\u00fcne Hose und erwidert \u201cNaja ganz stimmt das ja nicht.\u201d<br>\u201cOk Mal mit der Ausnahme von der habe ich wenig anderes.\u201d<br>\u201cBeschwer Dich Mal nicht, f\u00fcr Frauen kriegt man st\u00e4ndig rosa Klamotten. Ich hasse Rosa.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meine Arme fangen an auf das mangelnde Training hinzuweisen, so dass ich die Bewegung der Treckingst\u00f6cke anpassen muss. Hier gibt es nur noch Moos und Felsen. Wir kommen den Serpentinen zur Scharte langsam entgegen. Die Spitze sieht zum Greifen nahe aus, es wird aber noch eine Weile dauern bis wir oben ankommen. \u00dcber unseren K\u00f6pfen erklingt das b\u00f6se Brummen einer Drohne als wir im Zickzack \u00fcber Felsen klettern. Die letzten Meter geht es steil bergauf.<br>Oben angekommen werde ich entt\u00e4uscht, wir rennen nicht auf der anderen Seite wieder runter. Unser Weg f\u00fchrt uns nach rechts. Es geht noch weiter nach oben. Ist Karin ersch\u00f6pft? Ich kann es nicht einsch\u00e4tzen, sie schafft es immer mir ein paar Schritte voraus zu sein. Nach ein paar hundert Metern k\u00f6nnen wir unsere St\u00f6cke wegstecken und wieder ins Laufen \u00fcbergehen. Langsam laufen wir oben in einer Kurve zur\u00fcck um das Tal, das wir gerade unten erklettert haben. Von oben wirkt alles immer etwas kleiner und einfacher.<br>Der einfache Teil endet irgendwann. Die simplen Wanderwege gehen direkt in felsige, steile Wege \u00fcber und ich muss aufpassen dass ich nicht mit dem Gesicht bremse. Karin gewinnt vor mir immer mehr an Abstand w\u00e4hrend ich hinter ihr versuche nicht abgeh\u00e4ngt zu werden. Normale Wanderer geben mir genug platz um in halsbrecherischen Tempo an ihnen vorbei zu hechten. Auch die Oberschenkel geben langsam ihren Unmut bekannt, spielen aber weiterhin mit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Totenkirchl ist endlich wieder eine Verpflegungsstation. Meine Flaschen habe ich dort ausgetrunken wo das Terrain es erlaubte, Snacks habe ich noch jede Menge dabei, ich habe schlie\u00dflich f\u00fcr mehr als die doppelte Strecke gepackt.<br>Karin ist wenige Minuten vor mir schon weiter und endlich schaffe ich es auf der weniger gef\u00e4hrlichen Strecke mich wieder an ihre Fersen zu h\u00e4ngen. Ein kleiner Bergsee glitzert rechts von uns in der Sommersonne.&nbsp;<br>Nach einer kurzen Steigung geht es dauerhaft bergab. Seit einer ganzen Weile sind wir alleine doch jetzt kommen immer Mal wieder L\u00e4ufer an uns vorbei. Die Locals haben einfach viel mehr Gelegenheit in den Bergen zu trainieren, w\u00e4hrend Karin und ich alternative Trainings machen m\u00fcssen, die nicht dieselbe Qualit\u00e4t haben.<br>\u201cBei manchen Bergl\u00e4ufen kann mir jedes lokale Hausfrau ihre Fersen zeigen,\u201d klagt sie.<br>\u201cJa ich kenne das, bei meinem letzten Lauf haben die Oberschenkel das Stundenlange Bergab nicht besonders gut \u00fcberstanden.\u201d<br>Ein paar Mal verdrehe ich mir den kaputten Kn\u00f6chel und muss laut aufheulen.<br>\u201cAlles OK?\u201d fragt Karin.<br>\u201cEs muss,\u201d antworte ich. Hier habe ich keine Wahl, aufgeben ist keine Option. Die n\u00e4chste Verpflegungsstation ist bereits das Ziel. Es dauert nur wenige Meter und der Kn\u00f6chel ist nicht mehr zu sp\u00fcren. Ein L\u00e4cheln huscht \u00fcber meine Lippen. Das Training des Jahres scheint sein Ziel erf\u00fcllt zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Burg Reinegg taucht am Hang auf. Wir k\u00f6nnen das Sarntal vor uns sehen. Anstatt die breite Stra\u00dfe links runter zu laufen m\u00fcssen wir rechts die steile Treppe nehmen.<br>\u201cIrgendwie sind die Race Direktoren immer ein wenig Sadistisch,\u201d beklage ich mich beim Klettern.<br>\u201cJa ich habe schon ein paar schr\u00e4ge Klettereien erlebt.\u201d<br>Immer kurz vor dem Ziel holt der K\u00f6rper sich reserven von denen ich wenige Minuten vorher gesagt h\u00e4tte dass es sie nicht mehr gibt. Direkt vor der Ziellinie warten Maria, Eva, Elias, Simon und Dobbi auf mich.<br>Das Ziel ist etwas verwirrend, wir m\u00fcssen aber noch rechts abbiegen, da das Tor geradeaus das Ziel eines anderen Laufes ist. Karin und ich bekommen eine Medaille umgeh\u00e4ngt und eine Tasche mit Geschenken in die Hand gedr\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir verabschieden uns voneinander, w\u00e4re sie nicht gewesen w\u00e4re ich noch lange nicht da. Ich hatte mit 8 bis 9 Stunden gerechnet und bin nach etwas mehr als 6 \u00bd schon da. Kaum zu glauben. Ich will aber meinen Zielkuss von Maria abholen und so bleibt keine Zeit zusammen auf der Bank zu hocken und die Geschenke leer zu futtern.<br>Elias hat Fragen, traut sich aber nicht so recht mir L\u00f6cher in den Bauch zu fragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Aufgabe war es hier zu sehen wie weit das Training mich bisher gebracht hat. Ich habe gut trainiert, der Rucksack passt perfekt. Nur die Schultern haben kapituliert und ich bekomme die n\u00e4chsten zwei Tage die Arme nicht mehr hoch.<\/p>\n\n\n\n[Best_Wordpress_Gallery id=&#8221;119&#8243; gal_title=&#8221;S\u00fcdtirol&#8221;]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch Monate vor Annecy f\u00fchle ich mich unsicher ob das Training in die richtige Richtung geht. Habe ich genug H\u00f6henmeter einflie\u00dfen lassen? Passt die Nahrungszufuhr? 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