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Martinique – Fort de France

  • Das Herz von Fort de France
  • Fort de France Iguana

Ich kann nicht meinen gesamten Aufenthalt auf Martinique in Schoelcher verbringen, dazu ist der Ort einfach zu klein. Ich muss mindestens einmal nach Fort de France, der Hauptstadt von Martinique.

Auf der Auffahrt zur Autobahn steht eine Junge Dame und streckt ihren Daumen in die Luft. Da hinter mir kein Auto kommt halte ich an. Ich will natürlich ehrlich sein, hätte hier ein Mann anstatt einer jungen Frau gestanden wäre ich weitergefahren.
Das Fenster geht runter und sie streckt ihren Kopf hinein, fragt etwas in Französisch und schaut mich erwartungsvoll an. Ich habe die Worte Fort de France gehört und schaue sie ein bisschen verständnislos an.
„Es tut mir leid aber ich spreche kein Französisch, aber ich glaube verstanden zu haben dass Du nach Fort de France willst.“
„Ja genau. Kannst Du mich mitnehmen?“
„Natürlich, steig ein.“

Wir quatschen unterwegs ein bisschen. Ich erzähle von meinem bisher ereignislosen Urlaub und sie davon wie sie ein Brückenjahr macht und ein bisschen durch die Welt reist.
Ich hatte nie die Möglichkeite ein Jahr Auszeit zu nehmen also kann ich nicht nachvollziehen wie das wohl so ist. Genau das gleiche Problem hatte ich schon mit den Schweizerinnen im Outback von Australien.
So endet das Gespräch immer mal wieder in einer Sackgasse.
Sie freut sich als sie am Parkplatz aussteigen und zur Fähre verschwinden kann.

Direkt gegenüber vom Parkplatz ist das Gebäude der Bibliothèque Schoelcher, die wie der Ort dem Politiker Schoelcher nach benannt ist. Das Dach der Bibliothek erinnert an die Bauweise des Grand Palais in Paris. Das schön erhaltene und von Grün umgebene Gebäude leuchtet in dieser unschönen Stadt wie ein kleines Juwel.

Bibliothèque Schoelcher

Ich irre ein wenig planlos durch die Stadt. Die Innenstadt ist schnell durchquert und ich fange an die kleinen Gassen im Zickzack zu durchqueren. Ein paar Gebäude sind zugenagelt oder stehen kurz davor der Schwerkraft nachzugeben. Es gibt einige kleine Boutiquen aber ich bin hier zum Sightseeing und nicht zum Shopping. Die meisten Läden lachen mich mit ihrem eher kostengünstigen Angebot auch nicht unbedingt an.

Martinique – Fort de France Cite

Vor dem Laden von Orange bleibe ich erst stehen und gehe dann hinein. Mein aktueller Handyanbieter, O2, gehört gerade nicht zu den Kundenfreundlichen und hat mir bisher in jedem EU Aufenthalt Zusatzkosten berechnet. Man kann bei Martinique gerne argumentieren, nicht aber was Côte Azure oder Spanien angeht. Somit finde ich mich in einem Laden voller Ventilatoren und karibischer Einwohner, die entweder gerade beraten werden oder beraten.
Der Türsteher, es gibt einen kein Witz, wartet so lange bis eine Beraterin frei wird, diskutiert mit Ihr und bringt mich dann freundlich lächelnd zu ihr. Sie schaut mich von oben nach unten an und fragt mich dann in Französisch wie sie mir helfen kann. Ich versuche ihr in meinem klarsten und langsamsten Englisch zu antworten. Danach passiert etwas wofür ich der modernen Technik und Google unendlich dankbar bin. Sie schnappt sich ihr Handy, öffnet den Google Translator und schreibt etwas in Französisch auf. Ich schaue ihr ein bisschen irritiert zu, bis sie mir ihr Handy hin hält. Dort steht:
„Wollen Sie einen Prepaid Vertrag?“
„Oui.“
„Welches Volumen brauchen sie 1GB, 2GB oder 5GB?“
Ich überlege kurz und hebe dann zwei Finger in die Luft.
Sie beginnt einiges an Zeug auszufüllen, zeigt mir auf dem Handy einen Euro Betrag, reicht mir ein Kartenlesegerät in dem ich meine EC Karte einstecke und bezahle. Nach einer Unterschrift kriege ich mein Zeug und gehe wieder.
Die „Unterhaltung“ war etwas anstrengend und wir sind beide froh als sich unsere Wege wieder trennen. Auf einer Parkbank tausche ich die SIM-Karten und versuche meine neue Nummer in Betrieb zu nehmen. Nach einigem Gefummel klappt es trotzdem irgendwie nicht.
Auch bis zum Ende des Urlaubs habe ich diese sinnlose Anschaffung nicht zum Laufen gebracht, schade eigentlich.

Auf meinem Weg am Wasser entlang sagt mir Google dass ich gleich am Fort von Fort de France vorbeikomme. Geil endlich ein wenig Sightseeing. Ein bisschen Gras wächst aus der Fassade, ich freue mich schon drauf hinter die Mauern zu kommen um mir die Anlage anschauen zu können. Meine Überraschung schlägt mich umso mächtiger ins Gesicht als ich plötzlich vor einem Schild stehe dass mir erklärt dass ich mich vor militärischen Sperrgebiet der Marine befinden, auf dem Betreten verboten gilt.
Fantastisch, eines von zwei historischen Objekten in der Stadt und ich darf es mir nicht genauer ansehen.

Martinique Fort in Fort de France

Ich spaziere noch ein bisschen in Richtung Hafen. Ein Rascheln im Baum über mir weckt mich aus meiner Trance. Ein riesiger Leguan klettern den Ast entlang. Beißen die eigentlich? Keine Ahnung, ich sorge jedenfalls dafür dass er mir nicht auf den Kopf fallen kann.

Mit einem Einkauf in städtischen Carrefour beende ich meinen Kurztripp und fahre wieder zurück zu meiner Wohnung. Ich kann jetzt sagen dass ich hier gewesen bin. Im Stau zurück muss ich darüber nachdenken ob sich der Trip gelohnt hat. Aternativ wäre ich wahrscheinlich in der Wohnung versauert und hätte entweder geschlafen oder Youtube leergeschaut.